Wie genetische Veränderungen die Entstehung kindlicher Leukämien begünstigen
Dr. Franziska Auer erhielt den 2025 erstmals vergebenen Forschungspreis Kinder- und Jugendmedizin der Initiative krebskranke Kinder München e. V. und des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin für ihre in der Fachzeitschrift Leukemia veröffentlichte Arbeit „Trajectories from single-cells to PAX5-driven leukemia reveal PAX5-MYC interplay in vivo“.
Franziska Auer erforscht, warum manche Kinder aufgrund angeborener Veränderungen im Erbgut ein erhöhtes Risiko haben, an Leukämie zu erkranken. Im Mittelpunkt ihrer ausgezeichneten Publikation steht das Gen PAX5, das für die normale Entwicklung von B-Zellen, einem wichtigen Bestandteil unseres Immunsystems, unverzichtbar ist. Angeborene oder später erworbene Veränderungen in diesem Gen können die Reifung der Zellen stören und die Entstehung einer B-Zell-akuten lymphoblastischen Leukämie begünstigen.
In ihrer Arbeit untersuchte Frau Dr. Auer den schrittweisen Weg von zunächst augenscheinlich gesunden B-Zell-Vorläuferzellen über eine Vorstufe der Erkrankung bis hin zur manifesten Leukämie. Dabei konnte sie zeigen, dass bereits eine verminderte PAX5-Funktion die Zellentwicklung verändert und die Grundlage für weitere krankheitsfördernde Veränderungen schafft. Die Ergebnisse tragen dazu bei, die frühen Schritte der Krankheitsentstehung besser zu verstehen. Langfristig könnten sie helfen, besonders gefährdete Kinder früher zu erkennen und neue Möglichkeiten für eine gezielte Behandlung oder sogar Prävention zu entwickeln.
Aufbauend auf diesen Arbeiten erhielt Frau Dr. Auer 2026 eine international hochkompetitive Forschungsförderung (Advanced Research Grant) der European Hematology Association. In dem Folgeprojekt werden PAX5-bedingte Leukämierisiken weiter untersucht und die Erkenntnisse in Richtung Früherkennung und personalisierte Medizin weiterentwickelt. Eine wichtige Grundlage ihrer Forschung bilden diesbezüglich nationale und internationale Kooperationen, unter anderem innerhalb der International BFM Study Group, durch die Forschungsdaten, klinische Erfahrungen und besondere Patientenfälle über Ländergrenzen hinweg zusammengeführt werden.
Zur Person
Dr. Franziska Auer studierte Molekulare Biotechnologie an der Technischen Universität München und promovierte 2016 im Bereich der pädiatrischen Onkologie und Hämatologie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Anschließend forschte sie zwei Jahre lang mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft am City of Hope Comprehensive Cancer Center in Los Angeles. Von 2019 bis 2022 war sie als Senior Post-Doc des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Dresden tätig. Seit 2022 leitet sie eine Forschungsgruppe am Zentrum für krebskranke Kinder am Klinikum der Technischen Universität München.



