Krebserkrankungen im Kindes- und Jugendalter sind selten, aber sie verändern das Leben einer Familie von einem Tag auf den anderen. Gleichzeitig haben sich Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahrzehnten stark verbessert. Heute überleben in Deutschland mehr als 75-80 % der erkrankten Kinder und Jugendlichen eine Krebserkrankung. Und das, obwohl Krebs bei Kindern meist wesentlicher aggressiver ist und viel schneller wächst als bei Erwachsenen. Gleichzeitig sprechen aber Krebserkrankungen bei Kindern oft sehr gut auf Chemo- und Strahlentherapie an.
Krebs bei Kindern
Relative Häufigkeiten der an das Deutsche Kinderkrebsregister gemeldeten Erkrankungsfälle nach Diagnose-Hauptgruppen
Kinder sind meist von anderen Krebserkrankungen betroffen als Erwachsene. Häufig kommen Leukämie (Blutkrebs), Hirntumore, Lymphome (Lymphknotenkrebs), Sarkome (Knochenkrebs, Tumore des Muskel- und Bindegewebes) und Hirntumore vor. Im Gegensatz zu Erwachsenen haben Kinder sehr selten Karzinome.
Ausführliche Fachinformationen zum Thema gibt es bei der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) unter kinderkrebsinfo.de oder im aktuellen Jahresbericht des Deutschen Kinderkrebsregisters (PDF, 139,8 MB).
ZNS = Zentrales Nervensystem | Quelle: Jahresbericht des Deutschen Kinderkrebsregisters 2019
Fünf grundlegende Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung richtet sich nach der Krebsart, dem Stadium der Erkrankung und der individuellen Situation des Kindes. In der Kinderonkologie werden meist mehrere Therapien kombiniert, um eine möglichst gute Heilungschance zu erreichen. Zu den grundlegenden Behandlungsmethoden gehören Operation, Chemotherapie, Bestrahlung sowie die Knochenmark- oder Stammzelltransplantation.
Operation
Eine Operation wird eingesetzt, um die Diagnose zu sichern und den Tumor möglichst vollständig zu entfernen. Häufig entnehmen Ärztinnen und Ärzte zunächst Gewebe, zum Beispiel durch eine Biopsie, damit der Tumor exakt bestimmt werden kann. Wenn es medizinisch sinnvoll ist, wird der Tumor anschließend operativ entfernt oder zumindest deutlich verkleinert.
Bestrahlung
Die Bestrahlung hat das Ziel, Krebszellen gezielt zu zerstören, ähnlich wie die Chemotherapie, aber auf ein bestimmtes Körpergebiet begrenzt. Sie wird entweder als eigenständige Therapie oder zusätzlich zur Operation und Chemotherapie eingesetzt, zum Beispiel bei Hirntumoren oder Sarkomen. In bestimmten Situationen kann eine Bestrahlung auch vorbeugend erfolgen.
Chemotherapie
Die Chemotherapie ist bei nahezu allen Krebserkrankungen im Kindesalter ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Sie wirkt im ganzen Körper, indem sie schnell wachsende Krebszellen abtötet oder ihr Wachstum stoppt. Die Therapie dauert je nach Erkrankung etwa sechs Monate bis zwei Jahre und ist bei Kindern oft höher dosiert als bei Erwachsenen. Viele Kinder vertragen die Behandlung trotz möglicher Nebenwirkungen überraschend gut, weil ihr Körper sich schneller regenerieren kann.
Knochenmark-/ Stammzelltransplantation
Eine Knochenmark– oder Stammzelltransplantation wird vor allem dann durchgeführt, wenn eine sehr intensive Behandlung notwendig ist. Zunächst erhält das Kind eine extrem hochdosierte Chemotherapie oder Strahlentherapie, die das erkrankte Knochenmark zerstört. Anschließend werden eigene Stammzellen oder Stammzellen von passenden Spenderinnen infundiert, damit sich ein gesundes Blut- und Immunsystem neu aufbauen kann. Diese Behandlungsform erzielt besonders bei Leukämien gute Erfolge.
Ausführliche Informationen zur Knochenmarkspende haben wir Ihnen hier zusammengefasst.
Haploidentische Stammzelltransplantation
Nicht immer findet sich ein geeigneter Geschwisterspender oder ein passender Fremdspender mit vollständig übereinstimmenden Stammzellen. Für solche Fälle wurde die haploidente, also „halbpassende“, Stammzelltransplantation entwickelt, bei der Eltern als Spenderinnen in Frage kommen können. Diese Therapie wird u.a. bei therapieresistenten oder wiederkehrenden akuten lymphatischen und myeloischen Leukämien, bei chronischer myeloischer Leukämie, bei juvenil myelomonozytärer Leukämie sowie bei myelodysplastischem Syndrom eingesetzt. Sie kann außerdem bei rezidivierten Lymphomen und bei ausgewählten nicht malignen Erkrankungen wie schweren aplastischen Anämien, schweren Immundefekten oder Osteopetrose möglich sein.
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