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Begegnungswochenende für trauernde Eltern

Nachklang des Begegnungswochenendes für trauernde Eltern:
Atem als Anker, die Spirale als Weg zur Mitte

Tuch mit Sonnenstrahlen, darauf eine Schale mit KezenDer Atem begleitet uns – leise und verlässlich – vom ersten bis zum letzten Moment. Er zeigt, wie es uns wirklich geht: Bei Angst hält er inne, bei Aufregung wird er kurz und schnell. In der Trauer verändert sich der Atem oft; Schmerz, Sehnsucht, Leere, manchmal auch Wut oder Schuld legen sich schwer auf uns. Dann wird der Atem flacher, unruhiger, und die Brust fühlt sich eng an. Und doch erinnert er uns in allen Lagen: Ich bin da – Atemzug für Atemzug. Er kann ein Anker im Hier und Jetzt sein.

Unser Begegnungswochenende stand unter diesem Leitgedanken. In behutsamen Atem- und Körperübungen ließen wir die Bewegung zwischen innen und außen spürbar werden: Beim Einatmen bei sich ankommen, beim Ausatmen sich öffnen. Als Bild diente die Spirale – in die Mitte gelegt, als Symbol für Verbundenheit und Ruhe, für das Hin und Zurück des Atems und des Lebens.

Ein kreativer Teil gab dem Erlebten eine Form. Jede Familie gestaltete aus Draht und Perlen eine eigene kleine Spirale – ein persönliches Bild für den eigenen Atemweg Gemeinsam entzündeten wir anschließend eine Regenbogenkerze und gingen mit dem Foto des Kindes, der gestalteten Spirale und dem Gedicht in das Kaminzimmer – ein Raum der Stille, der Erinnerung und der Verbindung. In der Mitte, begleitet von leiser Flötenmusik, stellte jede Familie ihr Foto auf, legte ihre Spirale dazu, zündete eine Kerze an und nannte den Namen des Kindes. Die Kerze brannte das ganze Wochenende im Gedenkraum; er blieb als Ort der Ruhe jederzeit zugänglich. Wer wollte, verweilte noch in Stille. Später trafen wir uns in der Lobby zum leisen Beisammensein.

Viele Teilnehmende beschrieben im Nachklang Momente der Entlastung: Der Atem fand einen ruhigeren Rhythmus, die Enge wurde etwas leichter, und es durften Augenblicke der Nähe zum verstorbenen Kind entstehen. Der Austausch machte spürbar, wie tröstlich es sein kann, gemeinsam zu atmen, zuzuhören und gesehen zu werden. Fragen, die uns begleitet haben:

  • Wie finde ich nach dem Tod meines Kindes, meines Bruders oder meiner Schwester wieder in meinen Atemfluss – in meine Mitte?
  • Kann der Atem eine Brücke zwischen mir und meinem Kind sein?
  • Wie bewahre ich Erinnerung und bleibe zugleich im Alltag handlungsfähig?

Unser Anliegen ist Begleitung, nicht Lösung. Jeder Mensch geht seinen Weg im eigenen Tempo. Der Atem kann helfen, diesen Weg wahrzunehmen: nach innen zu spüren, was trägt, und nach außen zu teilen, was verbindet.